Magen-Darm in Ägypten mit Kind vermeiden: Checkliste und Warnzeichen
Das meiste Risiko steckt in ein paar wenigen Dingen: Leitungswasser, Eiswürfeln, rohem Salat und allem, was bei Hitze lange lauwarm dasteht. Wenn ihr nur abgefülltes Wasser nehmt, am Buffet auf heiß Gekochtes setzt und vor dem Essen die Hände wascht, senkt das euer Risiko deutlich. Ganz verhindern könnt ihr es allerdings nicht. Und bei Kindern kommt hinzu, dass sie schneller austrocknen als wir Erwachsenen. Falls es schon passiert ist: hier stehen die Warnzeichen, bei denen ihr zum Arzt geht.
Warum es Kinder in Ägypten häufiger erwischt
Kennt ihr das? Kaum ist der Koffer gepackt, kreisen die Gedanken schon ums Essen im Hotel. Unbegründet ist die Sorge nicht: Bei Reisen in Regionen mit hohem Risiko trifft es 30 bis 70 Prozent der Reisenden innerhalb von zwei Wochen, je nach Ziel und Jahreszeit.1
Der Weg dorthin ist fast immer derselbe. Erreger kommen über Wasser oder Lebensmittel in den Körper, und da unser Darm die Keimstämme vor Ort nicht kennt, reagiert er schon auf Mengen, die Einheimische längst nicht mehr spüren. Bakterien verursachen 75 bis 90 Prozent der Fälle, allen voran bestimmte E.-coli-Stämme.1
Dabei führen fast immer drei Wege ins Kind. Der erste ist Wasser: Leitung, Eiswürfel und Poolwasser, wobei das Zähneputzen besonders häufig vergessen wird. Der zweite ist das Buffet mit lauwarmen Speisen, rohem Salat und aufgeschnittenem Obst. Der dritte sind die Hände, insbesondere über Buffetzange, Spielzeug und Geländer. Dieser dritte Weg wird am häufigsten unterschätzt.
Hinzu kommt die Hitze. Keime vermehren sich am schnellsten zwischen 5 und 60 Grad, und das gilt in Hurghada genauso wie in Hamburg. Der Unterschied liegt darin, wie schnell Speisen dort hineingeraten und wie lange sie darin bleiben. Ein Salat, der in einem deutschen Restaurant noch eine Weile kühl bleibt, hat am Poolbuffet nach wenigen Minuten Außentemperatur. Am Buffet müsst ihr daher weniger darauf achten, wie das Essen aussieht. Wichtiger ist, ob es noch dampft oder ob es sichtbar gekühlt steht.
Und dann sind da noch die Kinder selbst. Sie fassen alles an und danach ihr Gesicht, sie schlucken beim Planschen Poolwasser, und beim Händewaschen nehmen sie es weniger genau als wir. Vor allem aber verlieren sie Flüssigkeit schneller, weshalb Säuglinge und kleine Kinder besonders gefährdet sind auszutrocknen.1 Bei Kindern geht es daher in erster Linie nicht darum, den Durchfall zu stoppen, sondern darum, dass genug Flüssigkeit nachkommt.
Die Checkliste zum Abhaken
Zugegeben, eine Checkliste ist nicht der spannendste Teil der Urlaubsvorbereitung. Sie ist aber der Teil, der euch am ehesten ein paar Tage rettet. Die ersten drei Punkte erledigt ihr zu Hause, die anderen sechs laufen im Hotel dann nebenher. Ihr könnt sie hier direkt abhaken, die Haken bleiben auf eurem Gerät gespeichert.
Vor dem Flug
Im Hotel, jeden Tag
Was dagegen nichts bringt
Cola und Salzstangen. Die alte Hausmittelkombination kennen viele noch aus der eigenen Kindheit, eine Elektrolytlösung ersetzt sie jedoch nicht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät bei Kinderdurchfall ausdrücklich von Cola und Salzstangen ab.2 Cola enthält zu viel Zucker und zu wenig Salz.
Probiotika zur Vorbeugung. Die Studienlage ist uneinheitlich, unter anderem weil die Präparate nicht vergleichbar standardisiert sind, und die Daten reichen nicht aus, um sie zu empfehlen.1 Schaden tun sie in der Regel nicht, fest einplanen solltet ihr sie jedoch ebenso wenig.
Antibiotika auf Verdacht. Bei Kindern ist das nichts für die Eigenregie. Ob und wann so etwas infrage kommt, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt.
Wenn es doch passiert
Die ersten Stunden
Wichtig ist jetzt in erster Linie die Flüssigkeit, alles andere kommt danach. Je früher ihr damit anfangt, desto besser, denn laut CDC ist genau das der wirksamste Schutz davor, dass ein Kind austrocknet.1 Mischt die Elektrolytlösung nach Packungsanleitung an und bietet sie in kleinen Mengen häufig an, statt einmal ein großes Glas hinzustellen. Gestillte Babys werden ganz normal weiter gestillt, und Fläschchen verdünnt ihr nicht.
Beim Essen könnt ihr dagegen entspannt bleiben. Euer Kind darf bekommen, worauf es Lust hat und was es bei sich behält, erzwingen müsst ihr nichts.
Was ihr dagegen nicht selbst gebt, sind Mittel, die den Darm ruhigstellen. In der Praxis werden diese Wirkstoffe Kindern unter sechs Jahren so gut wie nie gegeben.1 Ob sie überhaupt infrage kommen, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt.
Wann ihr nicht abwartet, sondern zum Arzt geht
- Lippen und Zunge sind trocken, oder euer Kind macht seltener als alle acht Stunden Pipi
- Beim Weinen kommen keine Tränen, die Augen wirken eingefallen, bei Säuglingen ist die Fontanelle eingesunken
- Ein Säugling hat mehr als vier Mal Durchfall in 24 Stunden, ein Kleinkind mehr als sechs Mal
- Der Durchfall ist blutig
- Euer Kind bekommt hohes Fieber
- Es erbricht und hat gleichzeitig Fieber und Durchfall
- Ihr bekommt es nicht dazu, etwas zu trinken
- Es ist auffällig schläfrig oder teilnahmslos und schwer zu wecken
Die Kriterien stammen von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Bei Babys geht ihr früher hin als bei größeren Kindern, sie trocknen am schnellsten aus. Und wenn ihr unsicher seid, geht lieber einmal zu früh. Die meisten größeren Hotels haben einen Arzt im Haus oder auf Abruf.
Was ihr am Buffet beachten solltet
Vorweg: Der größte Teil eines Hotelbuffets ist unproblematisch, und eure Kinder müssen dort weder hungern noch jeden Tag dasselbe essen. Die Faustregel ist kurz. Was dampfend heiß aus der Pfanne kommt, könnt ihr nehmen, und alles, was ihr selbst schält, ebenfalls. Wirklich aufpassen müsst ihr nur bei wenigen Dingen.
Das lasst ihr stehen
- Eiswürfel im Getränk. Die kommen in vielen Häusern aus der Leitung, und Einfrieren tötet Keime nicht ab. Bestellt Getränke ohne Eis, die Flasche macht ihr selbst auf.
- Softeis aus dem Automaten. Bei 38 Grad Außentemperatur bricht die Kühlkette schnell. Abgepacktes Industrieeis am Stiel ist die entspanntere Wahl.
- Lauwarme Speisen aus dem Warmhaltebehälter. Nehmt, was sichtbar dampft, und lasst stehen, was nur noch handwarm ist. Wenn es ein Showcooking gibt, lasst euch dort frisch zubereiten.
Bei kleinen Kindern etwas zurückhaltender
- Salat, rohes Gemüse und aufgeschnittenes Obst. Beides wird mit Leitungswasser gewaschen und danach nicht mehr erhitzt. Bei Kindern unter drei Jahren nehmen wir lieber gekochtes Gemüse und Obst, das wir selbst schälen. Größere Kinder vertragen das meist ohne Probleme.
- Saucen mit Ei und Cremedesserts, die länger stehen. Ei plus Wärme plus Standzeit ist eine ungünstige Kombination. Verpackte Desserts sind eine gute Alternative.
Das ist unproblematisch
- Alles, was frisch und heiß zubereitet wird. Showcooking, Gegrilltes, frisch gekochter Reis, Nudeln, warmes Brot. Das ist der größte Teil des Buffets.
- Obst, das ihr selbst schält. Banane, Orange, Melone am Stück.
- Verpacktes. Joghurt, Käse in Folie, abgepacktes Eis, Cerealien.
- Wasser aus verschlossenen Flaschen. Prüft kurz, ob das Siegel intakt ist, bevor ihr aufdreht.
Der Teil, den ihr nicht selbst in der Hand habt
Die neun Punkte oben decken das ab, was ihr selbst beeinflussen könnt. Daneben gibt es jedoch einen zweiten Teil, und der ist der größere: die Küche, die Wasseraufbereitung und die Eismaschine eures Hotels. Wie heiß die Warmhaltebehälter wirklich sind, ob am Showcooking frisch zubereitet wird, ob das Eis aus abgefülltem Wasser kommt, das entscheidet sich bei der Hotelwahl und nicht mehr am Frühstücksbuffet.
Das könnt ihr vorher nachlesen. In den Eltern-Bewertungen fallen Häuser mit auffällig vielen Magen-Darm-Meldungen schnell auf, ebenso jene, bei denen das Thema über Jahre praktisch nicht vorkommt. Wir haben das für Hurghada gemacht.
Weiter zur Hotelauswahl Vier Häuser im Detail, mit ihren Schwächen Geprüft nach Wassereinstieg, Strandentfernung, Kinderbetreuung und Transferzeit. Jedes Haus mit mindestens einer offen genannten Einschränkung.Häufige Fragen
Darf mein Kind in Ägypten das Leitungswasser zum Zähneputzen nehmen?
Was gehört bei Kindern wirklich in die Reiseapotheke?
Wie lange dauert Reisedurchfall normalerweise?
Ist All-Inclusive riskanter als à la carte?
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Quellen
- CDC Yellow Book, Kapitel Travelers‘ Diarrhea. Daraus: Anteil bakterieller Erreger, Erkrankungsrate über zwei Wochen, Dauer unbehandelt, frühe orale Rehydratation bei Kindern, Einsatz von Loperamid bei Kindern, Datenlage zu Probiotika.
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Durchfall bei Babys und Kleinkindern. Daraus: Warnzeichen für Austrocknung, Kriterien für den Arztbesuch, Hinweis zu Cola und Salzstangen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung und dient der Orientierung vor der Reise. Bei Beschwerden wendet euch an eine Ärztin oder einen Arzt, bei Kindern an die Kinderärztin oder den Kinderarzt.